[Ausgelesen] „veg up“ – reloaded

Für eine Abschlussarbeit an der Universität habe ich kürzlich „veg up: die veganisierung der welt“ noch einmal – und gründlicher – gelesen.

Nach wie vor kann ich dem Argumentationsstil nichts abgewinnen, obwohl ich den Veganismus an für sich für eine gute Idee halte. Die Art der Begründungen und die Fehlschlüsse verleiden mir die Sache. Mir sind auch viel zu wenig Belege drin, was mich zu stundenlanger Recherche zwingt. Hier ein paar Stellen, über die ich „gestolpert“ bin und mir sauer aufstoßen (nur Beispiele):

“die aussage, dass auf der welt genug nahrungsmittel produziert werden, um alle menschen zu ernähren kann an zynismus nicht überboten werden. denn diese rein quantitative aussage geht über milionen tote hinweg.“ (Vagedes 2011, S. 232)

Und Millionen Tote, das ist keine quantitative Aussage?

Abgesehen davon ist das meiner Ansicht nach nicht zynisch gemeint, sondern bezieht sich auf die schlechte Verteilung der produzierten Nahrungsmittel.

Ich zweifle daran, ob eine Veganisierung der Gesellschaft überhaupt dazu führen würde, dass nun alle satt werden. Ich halte es für utopisch, dass alle Menschen frei von Egoismus und „Verpanzerung“ sein können, vermutlich würde auf den freiwerdenden Flächen dann stattdessen Biotreibstoff angebaut und die Menschen in der Dritten Welt hungern weiter – nur um des Profits willen.

Zum selben Themenkomplex gehört folgenden Aussage:

“bevor die ‚nachhaltigen‘ die welt veganisieren und milliarden leidender tiere befreien, besprechen und planen sie lieber, die anzahl der menschlichen bevölkerungszahl drastisch zu reduzieren, ohne dabei jedoch selbst voranzugehen- und selbst aus dem eigenen dasein zu scheiden.”

Für mich liest sich diese Passage wie ein (wenn auch vermutlich ironisch gemeinter) Aufruf zum Massensuizid, aber vielleicht verstehe ich das auch falsch.

 

“es überlebt nicht das stärkste Tier, sondern das, das dem interesse … am meisten dient’” (Vagedes 2011, S. 210)

Und noch immer überlebt laut Evolutionstheorie nicht das stärkste Tier, sondern das bestangepasste; was streng genommen auch in menschlicher Obhut so ist (vor allem, wenn es sich um “Nutztiere” handelt) – nur, dass der Mensch dabei ein künstliche Umwelt schafft, in der das Tier besteht oder nicht.

Züchterische Selektion ist somit mit sexueller Selektion zu vergleichen, in der ebenfalls bestimmte Merkmale selektiert werden, weil sie als attraktiv gelten.

 

„die verseuchung der böden durch chemikalien ist in erster linie ein produkt des futtermittelanbaus.“ (Vagedes 2011, S. 257)

Hier würde mich interessieren, welche Chemikalien gemeint sind und eine Quelle wäre schön. Klärschlamm z.B. enthält häufig Schwermetalle, Mist dagegen durchaus auch mal Antibiotika. Durch Bergbau gewonnener Dünger (z.B. Phosphat) kann durchaus ebenfalls schwermetallbelastet sein und ist auch im Bioanbau erlaubt. Die genauen Zahlen kenne ich nicht, daher kann ich nicht sagen, wie viel davon der Futtermittelanbau ausmacht. Wie bereits erwähnt: eine Quelle könnte die Sache klären.

„eine roh-vegane ernährung versorgt den körper am besten mit vitamin b12.“ (Vagedes 2011, S. 168)

Nach derzeitigem Wissenschaftsstand ist diese Aussage falsch, wenn die Menge an Vitamin B12 ausreichen soll, den kompletten Bedarf zu decken. Eine Sublimierung von Vitamin B12 durch Tabletten (gibt vegane Varianten) ist angebracht. Ich habe von einer Frau gehört, die durch Vitamin B12 bleibende Nervenschäden erlitten hat. Aufpassen, Leute! Im menschlichen Körper wird zwar Vitamin B12 produziert (durch Bakterien in unserem Darm), aber blöderweise in einem Abschnitt des Darmes, der NACH dem Bereich kommt, der Vitamin B12 absorbieren kann.

Über Sabrina

Ich mag Schafe, Pferde, Hühner, meinen Ehemann Herr Nagezahn (:-D), Tee, Stricken und andere textile Handarbeiten, lese gerne Sachbücher und esse, koche und backe gerne. Noch lebe ich in einer Großstadt, bald geht es jedoch wieder zurück aufs (flache) Land!
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